Auf dem Mozartradweg

Im Alpenland unterwegs

Mozartradweg
Mozartradweg 2018

Im Oktober 2018 fuhren wir einen fünftägigen Rundkurs auf dem Mozartradweg. Das Wetter meinte es nicht nur mit uns mehr als gut. Wir hatten schon die Winterkollektion eingepackt, aber unser Sommeroutfit reichte völlig aus. Auf fünf Etappen radelten wir 390 km mit für uns Rheinländer durchaus anspruchsvollen 3.255 Höhenmetern.

Auf geht's am Inn
Auf geht's am Inn

Die erste Etappe führte auf 102 km vom oberbayrischen Rosenheim nach Lofer im Pinzgauer Saalachtal. Kurz hinter Rosenheim verwandelte sich der asphaltierte Radweg in einen gut befahrbaren Kiesweg, der am Inn entlangführte. Die prächtige Bergkulisse wirkte mit dem strahlend blauen Himmel noch beeindruckender. Über eine Zollhausbrücke wechselten wir bei Reisach nach Tirol. Durch den Kaiserwinkl, einem Tal zwischen den Chiemgauer Alpen und dem Kaisergebirge, fuhren wir auf hügeligen Wegen, die zum Teil auch auf Bürgersteigen oder Straßen verliefen. Und an diesem sommerlichen Sonntag herrschte viel Verkehr. Natürlich waren zahlreiche Radler unterwegs, die meisten dick vermummt oder sportlich gekleidet auf E-Bikes. In Walchsee pausierten wir mittags und radelten über Kössen Richtung Süden nach St. Johann in Tirol.

In Kössen irrten wir einige Kilometer herum, weil die Beschilderung des Radweges alles andere als zuverlässig war. Über weite Strecken fehlten Hinweise, oder sie führten zum Beispiel auf einen steilen Weg, auf dem die Weiterfahrt für Radler verboten wurde, weil es sich um einen Wanderweg handelte. Das war nicht so toll. Großartig blieb die Landschaft. In St. Johann labten wir uns an einem leckeren Eis und bewunderten die Kalkfelsen des Kaisergebirges. Ein Zehnjähriger wies uns stolz auf den Wilden Kaiser hin, und die Pensionswirtin in Lofer erkundigte sich schon telefonisch nach unserem Verbleib. Im Angesicht der Steinplatte radelten wir oft auf der Straße, weil die Ausschilderung des Radweges weder konsistent noch plausibel erschien.

Am späten Nachmittag erreichten wir das Haus Patricia und stärkten uns mit einer leckeren Pizza auf der Veranda eines Restaurants. Wir erreichten gerade eben noch das Bett, bevor wir im Stehen einschlafen konnten.

Urtümliche Saalach
Urtümliche Saalach

Die faszinierende Gebirgslandschaft und das gute Wetter blieben uns am zweiten Tag erhalten. Wir folgten zu Beginn einige Kilometer lang der Saalach, die mit ihren kräftigen Stromschnellen und riesigen Felsbrocken im Flusstal urwüchsig wirkte.

Im Berchtesgardener Land führte uns der Weg bei Schneizlreuth in die Weißbachschlucht, wo wir auch die Grenze wieder überschritten. Dies im wahren Sinne des Wortes, denn der Weg war so steil, dass an Fahren nicht mehr zu denken war. Die Waldwege, Pfifferlinge und andere Pilze wuchsen dort, waren bei Wanderen sehr beliebt, als Radler blieben wir einzigartig. Wir hatten Glück, dass es nicht regnete. Denn bei Nässe wäre ein Fortkkommen per Rad in dieser Klamm kaum möglich gewesen.

In Kiebling erreichten wir den Saalachsee, einen Stausee, an dessen Ufer wir längere Zeit radelten. Unterhalb der sogenannten Bürgermeisterhöhe, dem östlichen Ausläufer des Müllnerbergs, radelten wir ins Zentrum von Bad Reichenhall. wo wir gegen Mittag eine Kaffee-Kuchen-Pause einlegten. Im Nachhinein war das eine prima Idee. Denn ab nun ging es himmelwärts, zunächst durch einige Vorortsiedlungen nach Bayerisch Gmain, das malerisch von den Bergmassiven Untersberg und Lattengebirge umgeben wird. Wir hätten dem Radweg an der Bundesstraße 20 folgen können, bevorzugten aber einen Radweg, der uns durch den schönen Bischofswiesener Forst führte. Dort zwangen uns die Steigungen, einige Male abzusteigen und zu verschnaufen oder ein paar Meter zu schieben. Mitunter war es so steil, dass wir das Gefühl hatten, jeden Moment nach hinten zu kippen. Es kostete Schweiß, und die Gummibärchen büßten an Zahl ein.

In Berchtesgarden
In Berchtesgarden

Als wir den Gipfelpunkt erreicht hatten, ging es an der Bischofswiesener Ache entlang nach Berchtesgarden hinein, und zwar vornehmlich abwärts, was uns ausnehmend gut gefiel. Wir schoben die Räder durch das Zentrum Berchtesgardens, hielten uns aber nicht lange auf. Einige Minuten später saßen wir auf einer Bank an der Ache und genossen unsere Mittagspause unter dem tiefblauen Himmel. Über Unterau und Oberstein gelangten wir nach Marktschellenberg, rechts schlängelte sich die Ache, links ragte das Unterbergsmassiv empor.

Am frühen Nachmittag kamen wir in Grödig ins Salzburger Becken. Mit der fürsorglichen Beratung einiger Passanten gelang es uns, die Tauernautobahn zu umgehen und am Salzburger Zoo vorbei das Schloss Hellbrunn zu erreichen, wo wir anlässlich eines Familientreffens den Pfingstmontag verbracht hatten.

Salzburg in Sicht
Salzburg in Sicht

Kilometerlang ging es anschließend über die Hellbrunner Allee nach Salzburg, die Festung Hohensalzburg als Landmarke im Blick. Wir reihten uns ein in die zahlreichen Spaziergänger und Radler, die diesen schönen Oktobernachmittag in der Sonne genießen konnten. Hier kannten wir uns bereits aus und hatten keine Schwierigkeiten mehr, das ARCOTEL Castellani zu finden.

Etwas später radelten wir zum Mozartplatz, sahen auf einer Bank sitzend den Fotogruppen zu und aßen im Augustiner-Brauhaus zu Abend. Ein schöner Tag ging im Garten des Hotels zu Ende, wo wir mit einigen Touristen aus den USA, teils aus Nebraska, teils aus Minnesota, ins Gespräch kamen, die am nächsten Tag nach Oberammergau fahren würden, und deren einer Dame es herrlich vergnügte, diesen Ortsnamen auszusprechen.

Die dritte Etappe begann mit einem fürstlichen Frühstücksbuffet. Das ließ uns genügend Energie tanken. Wir starteten mit einem Seitenwechsel über die Karolinenbrücke ans rechte Salzachufer und blickten immer wieder hinüber, wo die Dächer im Sonnenlicht glänzten. An der Mündung des Alterbachs in die Salzach orientierten wir uns in Richung Osten. Auf guten Wegen radelten wir ins hügelige Alpenvorland zunächst bis nach Eugendorf. Hügelauf- und -abwärts, zwischen 500 m und 600 m Höhe, keine selektiven , aber doch immer wieder anstrengende Aufstiege durchquerten wir Henndorf und Neumarkt nahe des Wallersees. Über Schleedorf und Mattsee nach Norden fahrend erreichten wir einen zweiten See der Salzburger Seenplatte, eben den Mattsee. Den Südzipfel des Grabensees streifend bogen wir in Richtung Seeham ab und radelten unterhalb des Haunsbergs, wiederum der Salzach folgend, nach Oberndorf, das sich gegenüber der bayrischen Grenzstadt Laufen befindet.

In Oberndorf wurde laut Wikipedia 1818 erstmals das Weihnachtslied "Stille Nacht, heilige Nacht" aufgeführt. Die Stille-Nacht-Kapelle, das gleichnamige Museum und das Mohr-Gruber-Denkmal wiesen auf die touristische Bedeutung des Liedes hin. Daran schlenderten wir am späten Nachmittag vorüber, nur 17 km von Salzburg entfernt. Um diesen Ort zu erreichen, hatten wir rund 800 Höhenmeter und knapp 80 km absolviert. Zugegeben: es war ein schöner Radtag in einer schönen Landschaft gewesen. Über den 2006 eröffneten Europasteg, den nur Fußhänger und Radler benutzen dürfen, spazierten wir nach Bayern hinein bis zur Salzachbrücke, die zwischen 1901 und 1903 errichtet worden war. Es wurde kühl am Fluss, so dass wir umkehrten und in unserem biederen Hotel zu Abend aßen. „Passt scho” - wurde zum abendlichen Motto.

Der vierte Tag würde uns an den Chiemsee führen. Das Wetter hatte sich nicht geändert, und wir radelten auf dem Europasteg über die Grenze nach Deutschland. Der Weg führte uns zunächst zum Abtsdorfer See, dann an einem Moorwald mit Fichten, Buchen und Birken vorbei zum Waginger See. In Petting kauften wir in einem kleinen Laden Vorräte und tranken in der benachbarten Bäckerei einen großen Kaffee. Auch heute kreuzten wir beständig durch eine Hügellandschaft, in der Felder und Wiesen dominierten. Durch Nußdorf und Sondermoning hindurch erreichten wir mittags in Chieming den Chiemsee, an dessen Ufer wir in Richtung Norden die Etappe fortsetzten. Wenig Wasser führte der See, und auf den Wiesen sonnte man sich. In Seebruck, wo wir die Alz überquerten, stand der Tourismus eindeutig im Vordergrund. Und einer großen Zahl von Touristen begegneten wir auf Rädern, zu 90% E-Bikes, für die es im Ort Aufladestationen gab.

In Gstadt erreichten wir das gebuchte Hotel. Die Räder mussten wir in einer öffentlich zugänglichen Tiefgarage befestigen. Erst später fiel uns ein, dass das Hotel uns per E-Mail einen verschlossenen Kellerraum zur Aufbewahrung angeboten hatte. Die Rezeptionistin hatte uns darauf nicht hingewiesen, wir hatten es vergessen, es war kein Schaden entstanden.

Einen sonnigen Spätnachmittag verbrachten wir auf einer Parkbank, von der aus wir die Ausflugsdampfer, die Inseln und den See im Blick hatten, in dem eine Dame tatsächlich einige Schwimmzüge wagte. Das Speisenangebot war nicht so üppig, aber wir trafen mit dem Restaurant Inselblick eine gute Wahl.

Herbstlich am Inn
Herbstlich am Inn

Der Schlusstag war angebrochen, und erwartungsgemäß führte uns der Weg erst einmal hinauf. Über Moränenhügel erreichten wir Breitbrunn. Es war sehr neblig, und wir bewegten uns langsam und vorsichtig voran. Allmählich wurde es klarer und freundlicher, musste es ja auch werden, denn wir erreichten Höslwang:

Höslwang ist laut einer Untersuchung der Shell-Solar AG und des Deutschen Wetterdienstes das Dorf in Deutschland, in dem die Sonne die meisten Tage strahlt.
(Wikipedia)

Wir näherten uns nun Wasserburg am Inn, jedoch nicht auf direktem Wege, sondern auf einem eigenartigen Zickzack-Kurs über hügelige Wiesen. Fast schien es so, als wollte Wasserburg uns fernhalten. Zwei junge Katzen bewegten uns zu einer kurzen Spiel- und Streichelpause. Einige Kilometer weiter hatten wir endlich das Innleiten, das hohe Steilufer, erreicht, von wo aus wir auf die Stadt hinabblicken konnten. Wir radelten durch die Altstadt, bevor wir erneut in die hügelige Landschaft bis nach Griesstätt entlassen wurden. Dort fanden die Anstiege ihr Ende, denn nun ging es bis nach Rosenheim auf dem Damm am Inn entlang. Es war am Nachmittag sehr herbstlich geworden, Zeit, dass wir das Ziel erreichten.

Zusammenfassend:

  • Die südliche Halbschleife der Tour war landschaftlich außerordentlich attraktiv.
  • Die Beschilderung auf der südlichen Halbschleife war alles andere als stringent. Fehlende Schilder und Streckendifferenzen zwischen Infoschildern und heruntergeladenen Tracks kamen häufiger als gewünscht vor.
  • Unsere Etappen bestanden aus drei bis vier Einzelstrecken, die auf der offiziellen Mozartradwegseite vorgestellt werden. Wenn man als Familie unterwegs ist, sollte man sich an die kürzeren Etappen halten. Manche Steigungen sind schon sehr heftig.