3.200 km auf dem Rad durch Westeuropa

An Meeren, Flüssen und Kanälen entlang

Am Mittag in Vic-la-Gardiole
Am Mittag in Vic-la-Gardiole

In der Corona-Epoche fallen Planungen mitunter schneller unter den Tisch als Brotkrümel.

Geplant war eine lange Tour von Freiburg zur Atlantik-Küste und von dort aus in den Norden Portugals. Von dort aus sollte es nach Faro gehen, um dann entweder zurückzukehren oder in den Süden Spaniens zu radeln. Die Delta-Variante und die Unsicherheiten über die Entwicklung auf der iberischen Halbinsel bewogen uns zur Umplanung.

Mittelmeer, Atlantik und Nordsee, Schweizer Seen, Rhône und Garonne, der Canal des Deux Mers und der Albert-Kanal - das Wasser säumte unsere gut siebenwöchige Radtour über 3.200 km in vier europäischen Ländern.

Durch das Elsass radelten wir zum Genfer See, um von dort aus dem Rhône-Radweg bis Orange zu folgen. Anschließend waren Nîmes und Montpellier Etappenziele. Über Carcassone und Toulouse erreichten wir Bordeaux und folgten dem Eurovelo 1 bis Nantes. Wir durchquerten die Bretagne und die hügelige schöne Normandie, bis wir das flakke land, das belgische Flandern erreichten, von wo aus es schließlich Richtung Osten über Maastricht nach Aachen ging.

An unseren 46 Radtagen - fünf Ruhetage gönnten wir uns - waren wir durchschnittlich knapp 70 km unterwegs und kletterten gut 16.000 Höhenmeter, eine reife Leistung für uns rüstige Ruheständler. Von schweren Unfällen blieben wir verschont, auch wenn Ute sich bei einem Sturz, glücklicherweise aus dem Stand, eine große Wunde am Knie zuzog. Das Wetter war auf unserer Seite, der Wind weniger: Zwischen den halben Regentagen auf den Etappen nach Genf und Dunkerque vergingen immerhin fünf Wochen.

Geradezu begeistert waren wir von den Autofahrern in Frankreich und Belgien, die sich derart höflich und rücksichtsvoll im Straßenverkehr verhielten, dass es kaum zu fassen war. Sie bremsten bereits ab und ließen uns den Vortritt, wenn wir den Fuß noch nicht vollständig auf Straßen oder Überwegen gestellt hatten. Das war vorbildlich, zumal oft höfliche Gesten die Aktion begleiteten. Auch auf genügend Seitenabstand achteten die überholenden Autofahrer in den meisten Fällen. Merci beaucoup, les automobilistes!

Die Radinfrastruktur in Frankreich und ganz besonders in Flandern, von den Niederlangen ganz zu schweigen, ist oft hervorragend. In vielen Städten, vor allem in Bordeaux und Nantes, haben wir auf ausgezeichneten Radwegenetzen fahren können, die mit eigenen Ampeln, Schildern und Fahrspuren ausgestattet waren.

Alle Unterkünfte fanden Lösungen, um unsere Räder sicher aufzubewahren. Alle? Nein, das Ibis Styles Saint-Malo Port berechnete 24 EUR, um die Räder in einem Bügelzimmer abzustellen. Nichts gegen die Natur des Zimmers, aber mit diesem unverschämt hohen Preis wurden wir erst bei der Ankunft konfrontiert - in den Buchungsbedingungen war davon keine Rede gewesen. Am späten Nachmittag hatten wir natülich keine Möglichkeit mehr, anderswo unterzukommen. Radfahrer sollten in diesem Hotel eher nicht übernachten.

Übrigens: Dass es in den Niederlanden keine Berge gibt, haben wir in die Rubrik „Irrtum” einsortiert. Die letzte Etappe von Maastricht nach Aachen hat uns eines Besseren belehrt.

Alle Texte folgen strikt subjektiven Kriterien.